The Evolution of a Social Brain

"Was können wir von nicht-menschlichen Primaten über den Menschen lernen?"


Workshop am 20. November 2017

Im Rahmen des diesjährigen CIN-Dialogs, den das Forum Scientiarum gemeinsam mit dem Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) organisiert, veranstaltet das Forum Scientiarum einen Workshop zur sozialen Intelligenz von Affen. Zu diesem Workshop sind Interessent*innen herzlich eingeladen (Anmeldung erforderlich, s.u.).

Die Primatenforschung hat die vormals starre Grenze zwischen Mensch und Tier in den letzten Jahrzehnten zunehmend aufgeweicht. Sprache, Werkzeuggebrauch, Sozialverhalten, Selbstbewusstsein, nichts scheint mehr übrig zu sein, das eine starke Trennungslinie zwischen Mensch und Tier überzeugend festlegt.

Aktuelle Fragestellungen dieser vergleichsweise jungen wissenschaftlichen Disziplin versuchen daher zu ergründen, wie weit der Verstand von Tier- und Menschenaffen reicht: Lassen sie sich bei Verhaltensentscheidungen von rationaler Überlegung leiten? Erkennen sie Ursache-Wirkungsketten? Können sie im Verhalten ihrer Artgenossen Intentionen erkennen?

Immer wieder wird die kognitive Entwicklung nicht-menschlicher Primaten in einen Zusammenhang mit ihrem stark ausgeprägten sozialen Verhalten gebracht. Die Idee der sogenannten "Social Brain Hypothese" von Robin Dunbar aus den späten 1980er Jahren zielt gar darauf, die zunehmende Komplexität von sozialen Beziehungen in einigen Tiergruppen grundsätzlich mit der Größe des Gehirns in Verbindung zu bringen.

Wenn wir die Entwicklung der sozialen Intelligenz von nicht-menschlichen Primaten evolutionär zu erklären versuchen, dann müssen uns freilich deren Lebensbedingungen Aufschluss darüber geben, warum das kognitive Vermögen im Vergleich zu anderen Säugetierarten derart schnell wuchs. Allerdings stellt sich die Frage, welche Rückschlüsse wir von der Erforschung sozialer Intelligenz bei nicht-menschlichen Primaten auf den Menschen ziehen dürfen. Wie weit trägt hier die vergleichende Verhaltensforschung, die heute vielfach betrieben wird?

Das Ziel des Workshops ist es, Expert*innen aus den Natur- und Kulturwissenschaften zusam­menzubringen, um uns den genannten Fragen in verschiedenen Perspektiven zu nähern.Die Teilnahme am Workshop steht Nachwuchswissenschaftler*innen und Studierenden aller Fachrichtungen offen.

Die Ausschreibung ist geschlossen.

Programm

9:30 Begrüßung und Kaffee

10:00-11:00 Dr. Claudio Tennie, Ur- und Frühgeschichte, Universität Tübingen:

"Nichtmenschliche Primatenkulturen bestehen aus statischen Verhaltensweisen"


11:00-12:00 Dr. Arianna Ferrari, Ethik und Wissenschaftstheorie, Karlsruhe Institute of Technology (KIT):
"Mensch und Tier im Spiegel der Ethik"


12:00-13:30 Mittagspause

13:30-14:30 Dr. Daniel Hanus, MPI für evolutionäre Anthropologie, Leipzig:

"Anthropomorphism or Anthropodenial - What should be the null-hypothesis in compa­rative psychology?"


14:30-15:00 Kaffeepause

15:00-16:00 Prof. Dr. Julia Fischer, Primatologie, Universität Göttingen und Deutsches Primatenzentrum:

"Zur Evolution sozialer Vergleichsprozesse"


16.00-17.00 Prof. Dr. Julika Griem, Englische Literaturwissenschaft, Universität Frankfurt/M.:

"Welche Geschichten lassen sich von Affen und ihrer Erforschung erzählen?"

Im Anschluss an den Workshop findet um 19 c.t. eine öffentliche Podiumsdiskussion zwischen Prof. Dr. Julia Fischer und Prof. Dr. Julika Griem unter dem Titel "Primate Science Fiction. Der Mensch im Spiegel der Primatenforschung. Perspektiven aus Natur- und Kulturwissenschaft" statt (Audimax, Neue Aula). Moderation: Jessica Staschen.