Wie entstehen Raumkonzeptionen? 1600 und 1900 im Vergleich

ein Workshop von Frauke Fitzner und Yvonne Schweizer

in Zusammenarbeit mit Jörg Hartmann, Tim Jegodzinski, Lisa Müller, Veronica Peselmann und Sandra Beate Reimann

gefördert durch die Graduiertenakademie der Eberhard Karls Universität Tübingen

25. und 26. September 2014, Tübingen, Forum Scientiarum


Sowohl um 1600 als auch um 1900 sind zentrale Veränderungen in der Vorstellung von Raum zu konstatieren. Dies äußert sich in neuen Diskursen in den Bereichen Philosophie, Künste und Wissenschaften. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts entwickelten sich Raumbegriffe, die anstelle des abstrakten Raums der Zentralperspektive einen ‚verkörperlichten‘, materiellen Raum setzten. René Descartes artikulierte diese Vorstellung Mitte des 17. Jahrhunderts prägnant, indem er das Universum als ein körperliches Kontinuum fasste. Um 1900 wurde in den Wissenschaften wie in den Künsten das Raumverständnis eines homogenen und statischen Containers, wie er sich in der Folge Newtons durchsetzte, verabschiedet und stattdessen Raum als eine von Zeit, Materie und Beobachtung abhängige Pluralität gedacht.

Der interdisziplinär angelegte Workshop untersucht anhand dieser Zeitfenster Voraussetzungen für die Etablierung von Raumkonzepten. Im Fokus liegt der Zusammenhang zwischen raumtheoretischen Diskursen und Raumvorstellungen, wie sie sich in den Künsten manifestieren. Der Vergleich ermöglicht dabei, grundlegende Strukturen im Wandel von Raumkonzeptionen zu erfassen und zu systematisieren.

Ein erstes Panel nimmt konkret das Verhältnis von Raum und Bewegung in den Blick. Es widmet sich Konzeptionen dynamisierter und in Bewegung erfahrbarer Räume und befragt daran das Wechselverhältnis zwischen künstlerischer Praxis und philosophischer Begriffsbildung. In einem zweiten Panel liegt der Fokus auf Wissenspraktiken, die sich mit der Erforschung des Raumes befassen und über die sich Raumkonzeptionen im Austausch zwischen Künsten und Wissenschaften konstituieren.

Der interdisziplinäre Workshop wird organisiert von DoktorandInnen des 2010 gegründeten Forschungsnetzwerks Wahrnehmungsräume – Räume der Wahrnehmung und gefördert aus Mitteln der Graduiertenakademie der Eberhard Karls Universität Tübingen.

Die Teilnahme am Workshop ist kostenfrei. Es wird jedoch um eine Anmeldung unter raumkonzepte16001900@gmail.com gebeten.

Ort: Forum Scientiarum, Doblerstraße 33, 72074 Tübingen



Programm


Donnerstag, 25. September 2014


15.00 Uhr Begrüßung

Frauke Fitzner, Yvonne Schweizer


Panel I: Raum und Bewegung

15.15 Uhr Einführung in Panel I: Raum und Bewegung

Sandra Beate Reimann (Wien, Konstanz), Yvonne Schweizer (Tübingen, Florenz)


15.45 Uhr Körpertrajektorien. Bewegung und Raum

Prof. Dr. Kirsten Wagner (Bielefeld)


16.45 Uhr Postersession und Kaffeepause


17.30 Uhr Eremiten, Bilder, Automaten: Die Gebetsgrotten Herzog Wilhelms V. von Bayern

Prof. Dr. Christine Göttler (Bern)


18.30 Uhr Raum, Bewegung, Spiegel

Prof. Dr. Marie Theres Stauffer (Genf)


ab 19.30 Uhr Gemeinsames Abendessen


Freitag, 26. September 2014


Panel II: Raum und Wissenspraktik

9.00 Uhr Einführung in Panel II: Raum und Wissenspraktik

Frauke Fitzner (Tübingen, Berlin), Veronica Peselmann (Berlin)


9.30 Uhr Raumontologie und Raumfahrt um 1600 und um 1900

Dr. Marie-Luise Heuser (Braunschweig)


10.30 Uhr Postersession und Kaffeepause


11.00 Uhr Zur Wahrnehmung und Konstitution polarer Räume in Wissenschaft und Kunst um 1900

Dr. Dorit Müller (Berlin)


12.00 Uhr Von der restrukturierten Wahrnehmung zur Konstruktion diskursiver Räume

Dr. Chris Dähne (Frankfurt)


13.00 Uhr Mittagspause


14.00 Uhr Wege durch Höhen und Tiefen. Räume topographischer Literatur

Prof. Dr. Tanja Michalsky (Berlin)


15.00 Uhr Abschlussdiskussion


15.30 Uhr Ende und Abreise



→ Programm zum Herunterladen

 

Eine Publikation mit den Ergbnissen des Workshops wird im August 2015 erscheinen.