Forschungsnetzwerk
Wahrnehmungsräume - Räume der Wahrnehmung
um 1600 und um 1900
Das Forschungsnetzwerk, 2010 aus einer Sommerschule am FORUM SCIENTIARUM hervorgegangen, fördert den Austausch nicht nur von Nachwuchswissenschaftler/innen unterschiedlicher Disziplinen, die sich in ihren Untersuchungen mit den historischen Bedingungen von Raumwahrnehmung beschäftigen. Es versteht sich als eine Plattform für unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit, für deren Rahmen wir den diachron angelegten Kulturvergleich der Jahrzehnte um 1600 und um 1900 gewählt haben.
Auch wenn keineswegs alle Projekte der Fellows diese Zeitfenster zum Thema haben, bündelt der Fokus auf die Jahre um 1600 und um 1900 die Konzentration auf zentrale Kategorien von Raumwahrnehmung: Um 1600 weisen Galileo Galilei durch Beobachtung und Johannes Kepler durch Berechnung unhintergehbar den Heliozentrismus unseres Planetensystems nach. Sie bringen damit nicht nur die christlich-theologische Lehrmeinung zum Universum ins Wanken. Mit Empirie und einer die Scholastik hinter sich lassenden Astrophysik führten sie damals zugleich neue Parameter der Wirklichkeitsaneignung ein, die für die Erfahrbarkeit von Raum die Entwicklung einer neuen Systematik erforderlich machte. Um 1900 steht der vermessene und messbare Raum, der sich aus dieser Systematik ergeben hat, zur Disposition. Die Datenmengen, die ein vom Positivismus getragenes Wissenschaftsverständnis mit apparativen Methoden erfasst, erweisen sich in Hinblick auf die leibliche Alltagserfahrung der Menschen in der Moderne als zu defizitär, als dass sie eine allgemeine Kommunikationsgrundlage bilden können. Die Künste liefern hingegen hierfür einen entsprechenden Rahmen, ohne dass dabei die Verbindung zur spezialisierten Naturwissenschaft aufgegeben wird.
In interdisziplinärer Zusammenarbeit rekonstruieren wir die jeweiligen Dispositionen der Raumwahrnehmung um 1600 und um 1900, fragen nach deren Traditionen wie den strukturellen Zusammenhängen und dem Nutzen, den das aus dem Vergleich entwickelte Handwerkszeug für die eigene Forschungsarbeit haben kann.

